LMU Förderpreise für innovative Lehre und studentische Forschung
Die Verleihungen der Lehrpreise und der Forschungspreise für Studierende am "Tag für gute Lehre" sind ein markantes Beispiel für die gelebte Kultur der guten Lehre an der LMU.
Die Verleihungen der Lehrpreise und der Forschungspreise für Studierende am "Tag für gute Lehre" sind ein markantes Beispiel für die gelebte Kultur der guten Lehre an der LMU.
Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht jährlich den Preis für gute Lehre, mit dem die besten Dozierenden an den bayerischen Universitäten und Hochschulen ausgezeichnet werden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und würdigt herausragende Leistungen in der Lehre.
Preisträgerinnen und Preisträger aus der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften:
Der mit 10.000 Euro dotierte LMU Lehrinnovationspreis der LMU würdigt Lehrende, die besonders innovative Lehrveranstaltungen entwickeln und realisieren, oder neue, über Fächergrenzen denkende Lehr- oder Prüfungskonzepte erarbeiten und umsetzen.
So haben bisherige Preisträgerinnen und Preisträger etwa Lehrveranstaltungen entwickelt, in denen Studierende zur Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinaus motiviert werden, oder innovative, Studium und Berufspraxis verknüpfende Lehrformate geschaffen.
Die Preisverleihung erfolgt am jährlichen Tag für gute Lehre der LMU. Seit 2021 wird einer der Preise von der Münchner Universitätsgesellschaft gestiftet.
Preisträgerinnen und Preisträger aus der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften der vergangenen Jahre:
Julia Treindl, M.A. (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften) für das Seminar: "Common Places, Common Times: Eine interaktive Karte zur deutsch-jüdischen Geschichte"
Mit dem Seminar "Common Places, Common Times: Eine interaktive Karte zur deutsch-jüdischen Geschichte" hat Studienrätin Julia Treindl ein innovatives Veranstaltungsformat entwickelt, im Rahmen dessen deutsch-jüdische Alltagsgeschichte Studierenden und, über zukünftige Lehrkräfte, auch Schülerinnen und Schülern nähergebracht wird. Im Rahmen dieses Seminars wird an einer digitalen, interaktiven Landkarte gearbeitet, die durch Karteneinträge zur mittelalterlichen, neueren und neusten jüdischen Geschichte vervollständigt wird. Die interaktive, digitale Karte ist frei zugänglich, online abrufbar (https://commontimes.de/).
Dr. Daniel Mahla (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften) und Philipp Grammes (Bayerischer Rundfunk) für das Seminar: "Podcasten für HistorikerInnen: ‚Juden in Deutschland nach 1945‘ (WS 2020/21) und ‚Israel im Podcast‘ (WS 2018/2019)"
Mit dem Seminar "Podcasten für HistorikerInnen" haben Dr. Daniel Mahla und Philipp Grammes ein gemeinsames Veranstaltungsformat entwickelt. In dessen Rahmen arbeiten Studierende in Kooperation mit dem BR historische Fakten auf professionell hohem Niveau für die Öffentlichkeit auf, indem sie Podcasts entwickeln und online zur Verfügung stellen. Die Studierenden beschäftigen sich dabei nicht nur mit fachlichen Inhalten, sondern auch mit der geeigneten Vermittlung der Inhalte und deren technischer Aufbereitung. Das Format vermittelt bedeutende Kompetenzen für eine sich immer schneller digitalisierende Arbeitswelt und ist problemlos auf andere Fächer übertragbar. Besonders überzeugt haben die Jury das hohe Niveau, das bei der Erstellung der Podcasts durch die Studierenden angestrebt wird, die Kooperation mit einem außeruniversitären Partner und die Integration von Zeitzeugen-Interviews. Im Rahmen des Projektes entstand auch eine Broschüre, die Tipps für die Erstellung von Podcasts gibt und auf der Homepage der Fakultät abgerufen werden kann. Die Jury hofft auf vielfältige Nachahmer.
Prof. Dr. Anja Ballis und Dr. Kim Wünschmann (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften und Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften) für das Seminar: "Erinnerungsorte an der LMU. Projektorientiertes Arbeiten in der Germanistik und Geschichte"
Lehramtsstudierende der Unterrichtsfächer Deutsch und Geschichte befassten sich in dieser Projektveranstaltung mit dem Widerstand der Weißen Rose in Geschichte und Erinnerung und untersuchten lokale Gedächtniszeichen im Raum der LMU. Sie konzipierten drei thematische Rundgänge zu verschiedenen Wirkungsstätten und Erinnerungsorten der Weißen Rose – und das sehr erfolgreich: Anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust nahmen über 100 Personen an den Rundgängen teil. Während der Rundgänge konnten durch den Einsatz digitaler Medien der Wandel und die Vielfalt der Überlieferung zur Weißen Rose gezeigt werden. Selbstorganisierte wissenschaftliche Arbeit einer studentischen Projektgruppe an einem gesellschaftsrelevanten Thema wird in dieser innovativen Veranstaltung beispielhaft mit der Frage nach einer zeitgemäßen und reflektierten Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit verbunden. Insbesondere der Aspekt der Vermittlung kann auf die praxisbezogene Ausbildung in vielen Studiengängen übertragen werden – damit haben die didaktischen Dimensionen des Projektes Modelcharakter weit über das Lehramtsstudium hinaus.
Die LMU zeichnet ausgewählte exzellente Studierende und exzellente studentische Projektteams, die im Rahmen der Planung, Durchführung und Präsentation von studentischen Forschungsprojekten hervorragende Arbeit geleistet haben, mit dem LMU Forschungspreis für exzellente Studierende aus.
Preisträgerinnen und Preistrager aus der Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften:
Sylvia Rose Burgess-Tate (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften): "Fürstenabfindungen in der Weimarer Republik – Die juristische Argumentation"
Sylvia Burgess‐Tate untersuchte in ihrer Bachelorarbeit ein bedeutendes Thema der Weimarer Republik: die juristischen Debatten um Entschädigungen und Enteignungen der deutschen Fürsten. Ihre umfangreiche Arbeit beleuchtet die Veränderungen der juristischen Argumente und deren Auswirkungen auf die Haltung von Juristen gegenüber dem demokratischen Staat. Durch die intensive Analyse von Gesetzen, Verordnungen sowie juristischen und gerichtlichen Gutachten zu vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen gelang es der Autorin, die vernachlässigten juristischen Debatten angemessen zu würdigen und damit neue Impulse für die Forschung zu setzen. Die Arbeit von Sylvia Burgess‐Tate bietet großes Potenzial für weiterführende Projekte, die eine umfassende Untersuchung juristischer Argumente in den einzelstaatlichen Entschädigungsdebatten ermöglichen und somit zu einer rechtshistorischen Tiefenschärfe in aktuellen Diskussionen beitragen können.
Leonie Thea Daumer (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften): "Im Dienste der Wissenschaft? Kritische Untersuchungen zu Rudolf Virchows Wirken als Anthropologe vor dem Hintergrund kolonialer Aufarbeitung"
In ihrer Bachelorarbeit befasste sich Leonie Thea Daumer mit dem Mediziner, Anthropologen und Anatomen Rudolf Virchow und legte den Schwerpunkt auf eine Schattenseite des als Begründer der modernen Sozialhygiene gefeierten Professors: seine Rolle bei rassistisch motivierten Kolonialverbrechen, insbesondere der Organisation und Durchführung von Völkerschauen und dem Aufbau einer Sammlung von menschlichen Überresten indigener Bevölkerungsgruppen. Leonie Thea Daumer konnte zeigen, wie Virchow eng mit bekannten Schaustellern zusammenarbeitete und koloniale Machtstrukturen und -netzwerke nutzte, um Angehörige von Völkern aus Übersee illegal nach Europa zu verschiffen, wo sie gewaltsamen Übergriffen ausgesetzt waren und als lebende Ausstellungsstücke krank wurden oder starben. In Daumers Arbeit geht es nicht nur um die Verarbeitung der deutschen kolonialen Vergangenheit, um Zwangsmigration, die Restitution von geraubten Kulturgütern und den Verbleib menschlicher Überreste, sondern auch um den öffentlichen Umgang mit Virchows Nachlass und seiner Rolle im deutschen Kolonialismus.
Camilla Lopez (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), "Bildnarrative der Samtenen Revolution. Tschechische Dokumentarfotografie als Akteur in der Erinnerungskultur"
Die Studentin Camilla Lopez untersuchte in ihrer Masterarbeit "Bildnarrative der Samtenen Revolution. Tschechische Dokumentarfotografie als Akteur in der Erinnerungskultur" Fotografien aus dieser politisch bedeutsamen Zeit in der Tschechoslowakei. Der Begriff "Samtene Revolution" bezeichnet dabei den Systemwechsel des Landes vom Realsozialismus zur Demokratie Ende des Jahres 1989 und spielt darauf an, dass der Wechsel sich binnen weniger Wochen und weitgehend gewaltfrei vollzog. Wie Camilla Lopez in ihrer Arbeit zeigen konnte, entwickeln die Fotos und Fotozusammenstellungen aus jener Zeit eine erzählerische Qualität und prägen so die kollektive Erinnerung. Da die Disziplin der Geschichtswissenschaften sich bisher stark auf Texte konzentrierte, ist diese Herangehensweise methodisch innovativ.
Christina Kockerd (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), "‚Erstmal geht es um Theater‘ – Gegenwärtige organisatorische und ästhetische Auseinandersetzungen mit Inklusion an Münchner Theatern"
Wie steht es in der Münchner Theaterszene um die Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) und des darauf aufbauenden Münchner "Aktionsplans Inklusion"? Dieser brisanten Frage nach Inklusion im Theater ging die Verfasserin Christina Kockerd in ihrer Masterarbeit exemplarisch für fünf Münchner Kulturinstitutionen nach. Dabei untersuchte sie sowohl den "Aktionsplan Inklusion" der Stadt München, die Zielgruppenansprache der jeweiligen Theater sowie die Auseinandersetzung mit Inklusion in einzelnen Bühneninszenierungen. Mit dieser vielschichtigen und interdisziplinären Betrachtungsweise gelangte Christina Kockerd zu einer differenzierten Antwort auf die Frage, welche Inklusionsleistungen verschieden ausgerichtete Theaterinstitutionen vor, auf und hinter der Bühne vollbringen.